Verkehrsrecht – Sachverständigengutachten oder Kostenvoranschlag?

2018-12-28T21:15:58+00:0028. Dezember 2018|

Zumindest dann, wenn kein Bagatellschaden vorliegt, steht es Ihnen als Unfallgeschädigten grundsätzlich frei, zur Beweissicherung beziehungsweise zur Feststellung des Schadens und der Schadenhöhe einen Sachverständigen Ihrer Wahl zu beauftragen. Ein solcher Anspruch besteht selbst dann, wenn die Versicherung des Unfallgegners ohne Ihre Zustimmung bereits einen Sachverständigen beauftragt hat. Die Kosten für das eigens eingeholte Sachverständigengutachten sind trotzdem in vollem Umfang erstattungsfähig und von der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners zu erstatten.

Wir empfehlen Ihnen stets bevor Sie Zugeständnisse machen, sich bei einem Rechtsanwalt hinsichtlich Ihrer Rechte beraten zulassen, damit Sie nicht in Ihren Rechten beschnitten werden.

Vorsicht: Keine Kostenerstattung bei Bagatellschäden

Die Bagatellgrenze ist nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes vom 30.11.04 (Az.: VI ZR 365/03) bei brutto 727,37 € zu ziehen, sofern die Einholung eines Sachverständigengutachtens zweckmäßig und erforderlich ist. Dabei kommt es maßgeblich auf Ihre Sicht als Geschädigter zum Zeitpunkt der Auftragserteilung an. Es stellt sich daher immer die Frage, ob ein wirtschaftlich und vernünftig denkender Mensch die Beauftragung eines Sachverständigen für erforderlich halten durfte.

Es liegt also an Ihnen als Geschädigter darzulegen und gegebenenfalls sogar zu beweisen, dass die Begutachtung des Fahrzeugs als zweckmäßig und erforderlich angesehen werden konnte, um den Schadensersatzanspruch durchsetzen zu können. Als Argumente kann hier insbesondere bei älteren Fahrzeugen angeführt werden, dass die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Totalschadens besteht bzw. bestanden hat.

Bei neueren Fahrzeugen besteht hingegen oft die Gefahr von verdeckten Schäden, da es für Laien schwer bis gar nicht abschätzbar ist, inwieweit die komplizierte Fahrzeugtechnik betroffen ist. Zusätzlich entsteht in der Regel bei neuwertigen Fahrzeugen auch immer ein sogenannter merkantiler Minderwert. Hierunter versteht man den Wertverlust des Fahrzeuges, den es durch die Tatsache erleidet, dass es nun mit dem Makel eines Unfalles behaftet ist.

Bedenken Sie: Ein Kostenvoranschlag bietet keine Alternative!

Zwar muss die eintrittspflichtige Haftpflichtversicherung für den von Ihnen eingeholten Kostenvoranschlag aufkommen, dieser ist jedoch vor allem bei Schäden oberhalb der Bagatellgrenze im Zweifelsfall schlichtweg nicht ausreichend:

Da der Unfallverursacher üblicherweise die Schadenshöhe vor Gericht bestreitet, werden exakte Nachweise zur Höhe des Schadens benötigt. Ein von einer Werkstatt angefertigter Kostenvoranschlag ist hier zur Beweisführung ungeeignet und, da das Fahrzeug zu Prozessbeginn meist schon repariert beziehungsweise verkauft wurde, kann auch ein durch das Gericht beauftragtes Sachverständigengutachten nachträglich nicht mehr angefertigt werden. Um Ihren vollen Schadensersatz zu erhalten, sollten Sie also nach einem Unfall immer ein Sachverständigengutachten anfertigen lassen, welches einem gerichtlich bestellten Sachverständigen als erneute Begutachtungsgrundlage ausreichen wird.

Das von einem unabhängigen Sachverständigen ausgefertigte Gutachten beinhaltet neben der Wertminderung, den Rest- und Wiederbeschaffungswert sowie der voraussichtlichen Reparaturdauer und -kosten auch eine umfassende Fotodokumentation des Unfallschadens, die vor Gericht auf jeden Fall als hilfreiches Beweismittel verwendet werden kann. Zusätzlich enthaltend sind die angemessene Dauer des Nutzungsausfalls und eine entsprechende Nutzungsausfallentschädigung.

Wichtig: Haben Sie bereits einen Kostenvoranschlag zum Schadensnachweis anfertigen lassen und wird dieser von der gegnerischen Haftpflichtversicherung bezüglich der Stundenverrechnungssätze des gesamten Reparaturweges oder einzelner Reparaturschritte beanstandet, können Sie als Geschädigter anschließend ein Sachverständigengutachten auf Kosten des Schadensverursacher anfertigen lassen.