Am gestrigen Montag musste sich der Angeklagte wegen des Vorwurfes einer vorsätzlich begangenen Trunkenheitsfahrt vor dem Wormser Amtsgericht verantworten. Am Ende wurde das Verfahren zwar gegen die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 500,00 € eingestellt, dennoch steckt eine tragische Geschichte mit vergleichsweise glücklichem Ausgang dahinter. Was war passiert?

Nachdem sich der Angeklagte mit einem ebenfalls vernommenen Zeugen nach Worms zum Feiern begeben hatte, kehrte man für einen gemeinsamen „Absacker“ noch einmal beim Angeklagten ein. Plötzlich und völlig unerwartet verließ der Zeuge jedoch in einem absolut fahruntauglichen Zustand die Räumlichkeiten des Angeklagten. Kurz darauf richtete der Zeuge eine „Abschiedsnachricht“ an den Angeklagten und zwei weitere Zeugen per Whatsapp, wovon eine dessen damalige Lebensgefährtin war. Die „Abschiedsnachrichten“ wurden durch Verlesung in den Prozess eingeführt und der Zeuge damit, auf Hinweis der Verteidigung auch konfrontiert. Sichtbar beschämt gestand der Zeuge, dass das Jahr 2018 nicht sein bestes gewesen ist. Nach objektiver Auffassung, die die Verfahrensbeteiligten allesamt teilten, hatten die Nachrichten eindeutig eine suizidale Absicht.

Weiterhin ließ sich der Angeklagte dahingehend ein, dass er bereits vor 4 Jahren einen guten Freund verloren hat, der ihm in den Morgenstunden einen Abschiedsbrief einwarf und seine Fahrt sodann fortsetzte, die nur wenige Kilometer entfernt, tödlich an einem Baum endete.

Dieses, für den Angeklagten traumatische Erlebnis hatte ihn nach weiterhin glaubhafter Einlassung veranlasst, trotz Kenntnis seiner offenkundigen Fahruntauglichkeit an die ca. einen Kilometer entfernte Wohnanschrift der ehemaligen Lebensgefährtin des Zeugen zu fahren. In Anbetracht der Uhrzeit gab diese auf Befragung an, ihr Mobiltelefon nicht gehört, aber den Angeklagten gegen 6.30 Uhr vor deren Haustür akustisch wahrgenommen zu haben. Gemeinsam begaben sich die Zeugin, als Fahrerin und der Angeklagte auf die Suche nach dem weiteren Zeugen, dessen Fahrzeug sie auch wenig später verunfallt auffinden konnten. Angesichts der Alkoholisierung des Zeugen hatten die hinzugerufen Rettungskräfte auch die Beamten der zuständigen Polizeiinspektion informiert, auf die die Zeugen und der Angeklagte sodann im Klinikum Worms trafen. Glücklicherweise hatte die fahrt des Zeugen nicht an einem Baum, sondern in einem Feld geendet, so dass dieser lediglich leichte Verletzungen davon trug. Auf Befragung der Beamten belastete sich der Angeklagte, bei deutlich wahrnehmbarem Alkoholgeruch hinsichtlich seiner eigenen Trunkenheitsfahrt jedoch selbst, so dass die Beamten gleich zwei Verfahren einleiteten. Der anschließend freiwillig durchgeführte Atemalkoholtest ergab für den Angeklagten einen Wert von 2,04 Promille.

Nach der Vernehmung der Zeugen und der glaubhaften Einlassung des Angeklagten gab die Verteidigung noch eine Erklärung ab, welche die Vorsitzende veranlasst haben dürfte, eine alternative Erledigungsweise für das Verfahren anzuregen. Nach kurzer Unterbrechung konnte die Verteidigung die Zustimmung zur Verfahrenseinstellung, wenn auch widerwillig erklären. Das gefundene Ergebnis war jedoch aus Sicht des Angeklagten, wie er mehrfach bekundete, mehr als zufriedenstellend.