Noch im Mai diesen Jahres sprach das Amtsgericht Mainz den heute 17 jährigen Angeklagten wegen des Diebstahls in einem besonders schweren Fall schuldig (https://kanzlei-osthofen.com/2019/05/23/strafrecht-3-hauptverhandlungstermin-am-ag-mainz/)

Am heutigen Morgen eröffnete der Vorsitzende der 3. kleinen Strafkammer das Berufungsverfahren am Landgericht Mainz. Nach der Verlesung des erstinstanzlichen Urteils richtete der Vorsitzende das Wort an die Verteidigung, um das Ziel der Berufung zu erfahren.

Entsprechend der vorherigen Absprache mit dem Angeklagten und dessen erziehungsberechtigter Mutter, stellte die Verteidigung zunächst den seit der Verurteilung im Mai stattgefundenen Lebenswandel in den Vordergrund. Zwischenzeitlich hatte der Angeklagte seine Grundausbildung bei der Bundeswehr begonnen und sich spürbar verändert, wie die Mutter auf Frage des Vorsitzenden ergänzen durfte.

Anschließend führte die Verteidigung weiter aus, dass in dem erstinstanzlichen Urteil wesentliche Umstände zu der suggerierten Indizienkette unberücksichtigt geblieben sind. Die Vernehmung der sieben erschienen Zeugen sei daher unausweichlich.

Konkret wurde dem Angeklagten vorgeworfen, einen Roller am Alsheimer Bahnhof entwendet zu haben, auf dem er später gefahren sei. Der Angeklagte lies sich im Rahmen der Verhandlung am Amtsgericht Mainz dahingehend ein, dass er den Roller zwar benutzt, jedoch den Schlüssel von einem Dritten erhalten habe, von dem er lediglich den Vornamen kenne. Fünf der vernommenen Zeugen kannten den Angeklagten nicht. Die weiteren zwei Zeugen hatten den Angeklagten zwar auf dem Roller gesehen, konnten sich jedoch auch daran erinnern, dass sie andere Personen ebenfalls auf dem entwendeten Roller gesehen hatten. Das Amtsgericht Mainz blendete diese Bekundungen gänzlich aus, obwohl sie protokolliert wurden.

Aus Sicht er Verteidigung hätte auch jeder der anderen Fahrer, deren Identität nicht aufgeklärt werden konnte, der Dieb sein können. Angesichts dieses Umstandes empfahlen wir dem Angeklagten auch gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

Nunmehr wurde das Verfahren mit Zustimmung aller Verfahrensbeteiligten gegen die Zahlung einer Geldauflage von 400€ eingestellt. Somit dürfte der Zukunft des Angeklagten bei der Bundeswehr keine Hindernisse entgegenstehen.