Nachdem der Hauptbelastungszeuge zum 1. Hauptverhandlungstermin nicht erschienen war, wurde die Hauptverhandlung am gestrigen Montagmorgen um 9.00 Uhr fortgesetzt. Die Angeklagte schwieg auf Anraten der Verteidigung auch weiterhin.

Die etwa 40 Minuten andauernde Zeugenvernehmung warf insbesondere bei der Verteidigung eine Vielzahl von Fragen auf. Die Fragen der Verteidigung veranlasste den Zeugen mehrmals sich bei der Vorsitzenden rückzuversichern, ob die gestellten Fragen tatsächlich beantwortet werden müssten. Nach mehrfacher Belehrung des Zeugen, dass er wahrheitsgemäß zu antworten habe, entschloss sich dieser ohne eine ernsthafte Überlegung dazu, pauschal zu erwidern, dass er sich nicht mehr konkret erinnern könne. Konkret wurde ein 1.96 Meter und 145 kg schwerer Ladendetektiv zu seinen Handlungsempfehlungen im Falle eines beobachteten Diebstahls befragt. Er entgegnete, dass er ein Festhalterecht habe. Auf Nachfrage konnte er jedoch nicht darstellen, weshalb er eine 60 kg schwere und 1,70 Meter große Angeklagte nicht vom Verlassen der Örtlichkeit hatte hindern können. Der Zeuge verstrickte sich anschließend in eine Reihe von Widersprüchen oder konnte sich an etwaige Details nicht mehr erinnern.

Die Vorsitzende regte eine ökonomische Verfahrensbeendigung an. Nachdem der Vertreter der Staatsanwaltschaft seine grundsätzliche Bereitschaft signalisierte, wurde die Hauptverhandlung kurzzeitig unterbrochen und nach kurzer Beratung der Verteidigung mit der Angeklagten fortgesetzt. Die Verteidigung wies auf die neue Beweislage hin und sprach sich für eine Verfahrensbeendigung unter der Maßgabe aus, dass die notwendigen Auslagen und die Verfahrenskosten der Staatskasse aufzuerlegen sind. Nach kurzer Zögerung des Vertreters der Staatsanwaltschaft, stimmte dieser zu.

Die einschlägig vorbestrafte und unter laufender Bewährung stehende Angeklagte verließ daraufhin den Gerichtssaal. Nach eigenen Angaben, konnte sie das Ergebnis kaum glauben und sah dem Widerruf einer Freiheitsstrafe, welche vormals noch zur Bewährung ausgesetzt werden konnte, entgegen. Die Verteidigung konnte mit dem gefundenen Ergebnis zufrieden sein, wenn auch ein Freispruch im Fokus der Tätigkeit stand.